Direkt zur Hauptnavigation, zur Unternavigation dem Inhalt oder zum Seitenfuß

SPI - Themen IconEine Forscher-AG in der
Willkommensschule

Acht Wochen – so lange bleiben die geflüchteten Kinder und ihre Familien meist in der Bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle (BEA) in Mannheim. Das ist nicht viel Zeit, um eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen und ihnen etwas mitzugeben. Barbara Hackbarth versucht es trotzdem. In ihrer Forscher-AG nutzt sie vor allem das Element Wasser. "Das fasziniert alle Kinder."

Barbara Hackbarth leitet die Forscher-AG
Barbara Hackbarth leitet die Forscher-AG

Das Auto von Barbara Hackbarth rollt langsam über das Gelände des Benjamin-Franklin-Village. Der Wagen ist vollgepackt mit Kisten. Darin: Pipetten, Messbecher, Sand, Federn, Steine, Farben und vieles mehr – alles Materialien zum Forschen. Vor ihr auf der Straße fährt ein Junge auf seinem Roller. Es ist Prime, der mit seinen Eltern aus Afrika geflüchtet ist. Er erkennt Barbara Hackbarth und fängt an, hektisch zu gestikulieren: Er zeigt erst auf seinen Rucksack, dann deutet er auf den Wohnblock, danach auf die Schulräume. Barbara Hackbarth versteht: Prime will noch seinen Rucksack wegbringen und dann in die Forscher-AG kommen, die Barbara Hackbarth einmal in der Woche in der Columbus-Schule anbietet.

Die Kommunikation findet auf Englisch statt – oder mit Händen und Füßen

Praktische Bildkarten mit einer Abbildung und dem dazugehörigen deutschen Wort
Mithilfe der Bildkarten lernen die Kinder schnell die deutschen Bezeichnungen

"So läuft die Kommunikation meistens hier", sagt Barbara Hackbarth lachend und meint damit, dass sich die Menschen aus den vielen unterschiedlichen Ländern in der BEA mit Händen und Füßen verständigen, wenn sie mit ihrem Englisch nicht mehr weiter kommen. Daher hat Barbara Hackbarth Bildkarten für ihre Forscher-AG erstellt: Nach der ersten Forscher-Stunde kennen die Kinder die englischen und deutschen Bezeichnungen für Pipette und Reagenzglas, Wasser und Messbecher.

Das Benjamin-Franklin-Village in Mannheim ist eine Bedarfsorientierte Erstaufnahmestelle. Die einzige in Baden-Württemberg mit einer eigenen Schule. Zurzeit besuchen rund 30 Kinder zwischen fünf und 17 Jahren den Unterricht. Nachmittags bieten Freiwillige verschiedene AGs an. Eine davon ist die Forscher-AG. "Ich wollte mich schon lange in der Flüchtlingshilfe engagieren", sagt die Netzwerkkoordinatorin des "Hauses der kleinen Forscher" beim Südwestmetall-Netzwerk Rhein-Neckar. Als im Juni die Columbus-Schule startete, war das die perfekte Gelegenheit für sie, im Rahmen ihrer Netzwerkarbeit aktiv zu werden.

Wertschätzung und Bestärkung ohne Leistungsdruck

Jetzt forscht sie jede Woche gemeinsam mit bis zu 15 Kindern zwischen sechs und 13 Jahren. Nach den zwei Stunden, sagt die Netzwerkkoordinatorin, sei sie ganz schön erledigt. "Aber diese zwei Stunden sind eine wunderbare Bereicherung für mich." Genauso wie für die Kinder: "Sie erfahren hier eine positive Bestärkung und Wertschätzung ganz ohne Leistungsdruck. Das hilft ihnen dabei, hier entspannt anzukommen."

Die Mädchen und Jungen freuten sich, wenn sich jemand Zeit für sie nimmt und sich mit ihnen beschäftigt. "Dann können sie sich ausgiebig auf eine Sache konzentrieren." Zum Beispiel hätten sie stundenlang Wasserfarben gemischt: "Das kannten die meisten gar nicht. Das Farbwasser haben wir mit Hilfe von Pipetten gemischt und mit Krepppapier weiter verfärbt", erzählt Barbara Hackbarth. Die Kinder haben auf diese Weise alle deutschen Wörter für Farben kennengelernt und schulten gleichzeitig ihre Feinmotorik. "Das fanden sie so spannend, dass sie hinterher am liebsten die bunten Farbwasser mitgenommen und ihren Eltern gezeigt hätten", sagt Barbara Hackbarth lachend.

"Eierlaufen" spielen – aber mit Wasser, anstatt mit Eiern

Ein Berg von Luftblasen, die beim Forschen mit Waser entstanden sind
Das Element Wasser fasziniert alle Kinder

Wasser, so Barbara Hackbarth, sei ohnehin ein wunderbares Element, um es mit den Kindern gemeinsam zu erforschen: "Wir haben Wassertropfen untersucht und herausgefunden, dass Wasser andere Stoffe auflösen und vermischen kann. Im Winter bietet sich Wasser auch wieder an – in gefrorener Form ist es so faszinierend, dass die Kinder es stundenlang untersuchen und immer wieder etwas Neues entdecken."

"Zwischendurch baue ich immer Bewegungsspiele ein", sagt die Netzwerkkoordinatorin. Zum Beispiel hat sie mit den Kindern "Eierlaufen" gespielt – nur mit Wasser statt mit Eiern. Sie hat die Mädchen und Jungen in zwei Gruppen unterteilt und jede Gruppe hatte unterschiedliche Dinge zur Verfügung, um das Wasser zu transportieren: Gläser, Untertassen, Siebe, Kellen und was sich sonst noch so fand. Dann ging es darum, welche Gruppe zuerst das Wasser von dem einen Eimer in den auf der gegenüberliegenden Seite transportiert hatte.

Drei oder vier Forscher-Ideen auf einmal – das überfordert die Kinder

Zudem hat sie die Stunden in der Forscher-AG anders strukturiert als sonst: "Normalerweise biete ich immer drei oder vier Forscher-Ideen auf einmal an und lasse die Mädchen und Jungen dann entdecken. Aber diese Art des Forschens überfordert die Kinder hier", sagt die studierte Sozialpädagogin: "Sie wussten gar nicht, was ich von ihnen wollte, daher wurde die Stunde ganz schön chaotisch." Beim nächsten Termin baute sie dann nur eine Forscher-Idee auf. "Da lief die Stunde sehr viel ruhiger ab. Zudem achte ich auch immer darauf, dass ich die Kinderkarten vom 'Haus der kleinen Forscher' dazu lege. So können sich die Kinder zusätzlich an den Bildern orientieren und Ideen holen."

Einmal habe sie mit einigen Kindern am Tisch den Luftballontransporter gebaut, als sie einen Jungen bemerkte, der auf dem Boden saß: Er hatte den Fächer von einer der Entdecker-Karten nachgebaut, saß in Ruhe da und wedelte sich Luft zu. "Er hat nichts gesagt, nichts gefragt. Ich habe ihm nichts erklärt. Er hat einfach die abgebildete Forscher-Idee nachgebaut und den Luftzug auf sich wirken lassen. Das war toll!"

INFO:

Der "Bildungspass"

Den "Bildungspass" der Columbus-Schule haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Mannheim entwickelt: Jedes Kind bekommt einen solchen "Pass", in dem seine Lehrer eintragen können, welche Themen sie behandelt haben. Das können Zahlen sein, das Einmaleins oder auch geschichtliche Themen. Der Pass dient dazu, die Lehrerinnen und Lehrer in den aufnehmenden Kommunen über den Bildungsstand des Kindes zu informieren. Vor allem aber soll er die Kinder motivieren.

Die Willkommensschule

Die Schulpflicht beginnt in Baden-Württemberg für Kinder aus dem Ausland sechs Monate nach ihrer Ankunft. Allerdings nicht schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes, sondern erst in der Kommune, die die Familien und Kinder letztlich aufnimmt. Dort werden die Kinder und Jugendlichen zunächst in sogenannten Vorbereitungs- und VABO-Klassen (VABO steht für Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse) in die Regelschule integriert.

Die Willkommensschule in Mannheim will die Lücke zwischen Ankunft und Schulbeginn in der Kommune schließen.

Weitere Informationen über die Columbus-Schule finden Sie hier.

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Haus der kleinen Forscher auf Facebook Haus der kleinen Forscher auf Twitter Haus der kleinen Forscher auf Youtube